MHP

Inhalt Ausgabe 1-2/2018 Hygiene & Medizin

  • DGKH: Hygieneanforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln in Krankenhäusern, Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen und neuen Wohnformen
  • DGKH: Einladung zur Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen und Vorstellung der Kandidaten für die Vorstandswahlen
  • DGKH: Microbiological testing of the efficacy of cleaning and disinfection of the load (mechanical processing of uncritical medical devices)
  • VAH: Aufbereitung von Ultraschallsonden mit Schleimhautkontakt
  • VAH: Zum Stellenwert der Desinfektionsmittel-Liste des VAH vor dem Hintergrund der Biozidprodukte-Verordnung

Übersichtsartikel

Infektionsprävention und -kontrolle in Schweden
Birgitta Lytsy
Hyg Med 2018; 43(1/2): D1–D4.

Schlüsselwörter: Infektionsprävention und -kontrolle (IPK) · nosokomiale Infektionen (NI)

Schweden mit seiner Bevölkerung von 10 Millionen Einwohnern ist ein wohlhabendes Land, das nach Angaben der WHO und anderer vergleichbarer Einrichtungen einen der höchsten Gesundheitsindizes der Welt aufweist. Die meisten schwedischen Krankenhäuser sind staatlich und steuerfinanziert und für die Bürger nahezu kostenlos zu nutzen. Die nationalen Gesetze und Verordnungen für das Gesundheitswesen werden vom Staat festgelegt. Was die praktische Leitung des Gesundheitswesens betrifft, gleicht Schweden aber mehr einem Bundesstaat, da das Land in 21 Regionen (län) mit jeweils eigenen demokratisch gewählten Vertretern aufgeteilt ist. Gesetze, Vorschriften, Organisationen und Behörden, die für die Infektionsprävention und -kontrolle (IPK) auf nationaler Ebene relevant sind, sollen hier ebenso beschrieben werden wie die Epidemiologie von nosokomialen Infektionen (NI). Organisation, Planung, Infrastruktur, Indikationen und Aktivitäten werden basierend auf den 2016 veröffentlichten 8 IPK-Kernkomponenten der WHO aufgezeigt. Das drängendste Problem in schwedischen Krankenhäusern ist der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal, was zu Unterbesetzung und Überbelegung führt. Eine nationale IPK-Strategie gibt es in Schweden nicht. Die meisten der 21 Regionen haben die 8 IKP-Kernkomponenten der WHO in gewissem Umfang erfüllt – einige mehr und einige weniger.

Übersichtsartikel
Prävention von therapieassoziierten Infektionen in Frankreich

Pierre Parneix
Hyg Med 2018; 43(1/2): D5–D10.

Schlüsselwörter: Infektionsprävention und -kontrolle (IPK) · nosokomiale Infektionen (NI)

Bereits Ende der 1970er Jahre wurden in Frankreich Hygienefachkräfte ausgebildet. Aber erst 1995 wurde zum ersten Mal in einer offiziellen Verlautbarung der französischen Gesundheitsbehörden das Konzept des Hygieneteams beschrieben, das im November 1999 verpflichtend wurde. Seit 2000 muss jedes Krankenhaus einmal im Jahr einen Hygienebericht erstellen, der jedoch vertraulich ist. Unter dem Druck von Verbraucherverbänden hat das Gesundheitsministerium 2004 Indizes für die öffentliche Rechenschaftslegung eingeführt, wobei der erste Index die Bezeichnung ICALIN trug. Verbraucherverbände waren über die Jahre eine entscheidende treibende Kraft für eine striktere Gesetzgebung im Bereich der Prävention nosokomialer Infektionen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden große Erfolge erzielt; die Infektionsraten konnten erheblich reduziert werden. Eine Entwicklung hin zu einem umfassenderen Ansatz zur Patientensicherheit hat begonnen, doch sind die Fortschritte hier eher schleppend. Der Bereich der Hygiene ist und war mit Herausforderungen wie der Wirtschaftskrise und der Ausbreitung von mehrfachresistenten Bakterien konfrontiert. Es wird zunehmend erforderlich, den heutigen Präventionsansatz zu modernisieren und zu vereinfachen – und radikale Veränderungen sind auf dem Weg.

Übersichtsartikel
Krankenhaushygiene in Spanien

Angel Asensio*, Mireia Cantero
Hyg Med 2018; 43(1/2): D11–D14.

Schlüsselwörter: Krankenhaushygiene · Präventivmedizin und Krankenhaushygiene · Prävalenzuntersuchungen · Antibiotikaresistenzen

Die Krankenhaushygiene als eigenes Betätigungsfeld entstand in Spanien 1973. Gefördert wurde ihre Entwicklung durch die Einführung der ärztlichen Fachrichtung Präventivmedizin und Krankenhaushygiene. Hygienefachkräfte sind neben den ärztlichen Mitarbeitern die zweite Expertengruppe im Bereich der Krankenhaushygiene. Ihre Ausbildung ist jedoch bisher nicht gesetzlich geregelt. Mehrere spanische Regionen („Autonome Gemeinschaften“) haben alle öffentlichen und privaten Einrichtungen des Gesundheitswesens verpflichtet, Fachpersonal für Aufgaben der Krankenhaushygiene vorzuhalten. Einer 2006 durchgeführten Studie zufolge hatten 92% der Krankenhäuser ein Programm zur Krankenhaushygiene. 36,2% der Krankenhäuser hatten mindestens einen Krankenhaushygieniker je 500 Betten und 17,4% eine Hygienefachkraft je 250 Betten. Inzwischen gibt es an den meisten Krankenhäusern einen Hygieneausschuss als beratendes Organ der Krankenhausleitung. Darüber hinaus organisieren einige Krankenhäuser die Hygieneaktivitäten in Funktionseinheiten mit ärztlichen Spezialisten für Infektionsepidemiologie, Präventivmedizin und Mikrobiologie sowie Hygienefachkräften. Prävalenzuntersuchungen mit einheitlicher Methodik zu nosokomialen Infektionen werden in Spanien seit 1990 jährlich durchgeführt. Eine Surveillance für nosokomiale Infektionen gibt es an zahlreichen Einrichtungen. Die Hauptaktivitäten entfallen hier auf Erfassung der Infektionsrisiken bei chirurgischen Eingriffen (68% der Krankenhäuser), auf die Intensivstation (59%) und auf gerätebezogene Maßnahmen (47%). Einige Regionen haben die öffentliche Rechenschaftslegung über die erhobenen Daten vorgeschrieben. Der Einsatz von Antibiotika in spanischen Krankenhäusern ist seit 1990 stetig gestiegen. Inzwischen erhalten 46,1% der Krankenhauspatienten Antibiotika. Spanien gehört zu den europäischen Ländern mit den höchsten Antibiotikaresistenzraten und dem höchsten Antibiotikaverbrauch, im Krankenhaus wie auch in der ambulanten Versorgung. Aber das Bewusstsein für Antibiotikaresistenzen sollte bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen wie auch in der Öffentlichkeit noch stärker geschärft werden. Die Verwaltung sollte auf Krankenhausebene wirksame Verbesserungen der Infektionsprävention und stringentere Regeln für den Einsatz von Antibiotika einführen.

Übersichtsartikel
Infektionskontrolle und Krankenhaushygiene in Italien: aktueller Stand und Perspektiven

Silvio Brusaferro*, Luca Arnoldo
Hyg Med 2018; 43(1/2): D15–D19.

Schlüsselwörter: Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) · Krankenhaushygiene · Antibiotikaresistenzen

Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) und Krankenhaushygiene haben in Italien seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine lange Tradition. Die ärztliche Leitung der Programme mit dieser Zielsetzung übernehmen in Krankenhäusern und Stiftungen in der Regel Fachärzte für Hygiene und öffentliche Gesundheit. Der nationale italienische Gesundheitsdienst feiert 2018 sein 40-jähriges Bestehen. In den letzten Jahren hat er sich stark verändert, was zu einem großen Teil an Qualitäts- und Sicherheitsgarantien liegt. Die in jüngerer Zeit eingeführten Gesetze, Normen und Indikatoren für IPC, Krankenhaushygiene und Antibiotikaresistenzen sind geeignet, in den kommenden Jahren für erhebliche Verbesserungen zu sorgen. Es bleibt eine gemeinsame Herausforderung, die Leistungsschwankungen innerhalb und zwischen Regionen zu reduzieren und die nationale Informationsinfrastruktur zu stärken.

Übersichtsartikel
Infektionsprävention in Krankenhäusern und Pflegeheimen in den Niederlanden

Paul Bergervoet
Hyg Med 2018; 43(1/2): D20–D21.

Schlüsselwörter: Infektionsprävention · MRGN · MRSA · Krankenhäuser · Pflegeheime

In den Niederlanden spielt die Krankenhaushygiene seit den 70er Jahren eine wichtige Rolle in den Krankenhäusern. Eine wichtige Folge des hohen Stellenwerts ist die relativ kleine Antibiotikaresistenzrate in den Niederlanden. Die Frage der Resistenzen wird allerdings auch die größte Herausforderung in den kommenden Jahren sein. Die Niederlande möchten ihre in Europa einzigartige Situation im Bereich der Infektionsprävention stärken, nicht nur in Krankenhäusern sondern auch in Pflegeheimen.

Übersichtsartikel
Infektionsprävention und -kontrolle in Europa: EUNETIPS
Silvio Brusaferro*, Luca Arnoldo
Hyg Med 2018; 43(1/2): D1–D4.

Schlüsselwörter: Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) · EUNETIPS

Programme zur Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) gibt es in Europa schon seit langem, die meisten davon jedoch nur auf nationaler Ebene und es fehlt eine länderübergreifende Koordinierung. Im November 2008 kamen Vertreter von 12 Fach- und Berufsverbänden aus dem Fachgebiet der IPC in Berlin zu einer Bestandsaufnahme der vorhandenen Ressourcen zusammen. Auf diesem Treffen wurde die Berliner Erklärung verabschiedet, die den Grundstein für ein europäisches Netzwerk zur Förderung der Infektionsprävention im Interesse der Patientensicherheit (EUNETIPS: European network to promote infection prevention for patient safety) legte. EUNETIPS wurde nicht als Fachverband konzipiert, sondern als europäisches Netzwerk aus Fach- und Berufsverbänden einzelner europäischer Länder. Diese Organisationsform macht zwar durch ihre Struktur die Verwaltung aufwändiger, ermöglicht aber gleichzeitig die Wertschätzung lokaler Entwicklungen und Besonderheiten. Diese sind wesentliche Faktoren, damit die Maßnahmen und Programme zur Verbesserung der Hygiene wirklich alle europäischen Bürger erreichen können. Derzeit gehören EUNETIPS rund 30 Fachverbände aus 21 Ländern an, in denen über 9.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen organisiert sind. EUNETIPS entwickelt Programme und Aktivitäten für IPC und Patientensicherheit und trägt damit der Notwendigkeit Rechnung, diese Themen auf einer gemeinsamen europäischen Ebene anzugehen, bei der nicht politische Grenzen, sondern die Geographie maßgeblich sind. Zur Verbreitung von Wissen, Erfahrungen und Programminformationen dienen vor allem die EUNETIPS-Website (www.eunetips.eu) mit frei zugänglichen Dokumenten, Videos und anderen Schulungsunterlagen und der Newsletter, der einmal pro Vierteljahr an alle Mitglieder verschickt wird.